Book review

Gerd Laux, Walter E. Müller (Herausgeber): Psychopharmakologie und Psychopharmakotherapie kompakt. Weiterbildungs-Curriculum zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

DOI: https://doi.org/10.4414/SANP.2021.w10039
Publication Date: 10.10.2021
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2021;172:w10039

Christian Baumann

Please find the affiliations for this article in the PDF.

Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2021.

332 Seiten.

Preis: 54,80 Euro.

ISBN 978-3-8047-4184-3.

Psychopharmakologie und Psychopharmakotherapie nehmen in der 4- bis 6-jährigen Facharztausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie einen bescheidenen Platz ein. Zu diesem Schluss gelangte einer der Autoren, Gerd Laux, schon vor einigen Jahren [1, 2]. Konsequenterweise hat er nun mit dem Pharmakologen Walter E. Müller dieses Buch geschaffen, für welches sie sowohl als Herausgeber wie auch als Autoren für mehrere Kapitel signierten, wobei viele andere Autoren aus dem deutschsparchigen Raum mitwirkten. Vollständigkeitshalber muss hier aber eingeräumt werden, dass die American Society of Clinical Psychopharmacology (ASCP) Vorreiter auf diesem Gebiet ist. Sie hat vor kurzem (Dezember 2020) bereits die 11. Version ihres «Model Psychopharmacology Curriculum» veröffentlicht (https://ascpp.org/resources/educational-resource/ascp-model-psychopharmacology-curriculum-seventh-edition/).

Der Aufbau des vorliegenden Werkes von Laux/Müller basiert auf den erwähnten Veröffentlichungen [1, 2]: Sie enthalten zahlreiche, einen Lernkatalog darstellende Tabellen, die als Vorlagen für die Gliederung des Buches dienten.

So gliedert sich das über 300-seitige Buch in 15 Kapitel, wobei die ersten ca. 100 Seiten der Darstellung von allgemeinen Grundlagen gewidmet sind: Definitionen, Klassifikationen, Pharmakodynamik, Pharmakokinetik, Methodik klinischer psychopharmakologischer Therapieforschung, Evidenzbasierung, Leitlinien, Beurteilungsskalen, Psychoedukation, Placebo-Problematik, Compliance, Nebenwirkungen und Intoxikationen, Kombinationstherapien sowie Interaktionen. Ein Ziel unter anderen ist, dem Leser ein wertvolles Instrumentarium zu liefern, um wissenschaftliche Originalarbeiten und Behandlungsleitlinien kritisch zu lesen und zu interpretieren, um dann die Erkenntnisse in der täglichen Praxis beim einzelnen Patienten kompetent anzuwenden. Zwei zusätzliche Einführungskapitel wären willkommen gewesen: eines zur funktionellen Neuroanatomie mit Berücksichtigung der aktuellen Hypothesen über die biologische Ätiologie psychiatrischer Störungen mit der Verbindung zur Pharmakologie und eines zum therapeutisches Drug Monitoring und der Pharmakogenetik. Alle diese Aspekte werden in den folgenden Kapiteln zu knapp dargestellt. Diese restlichen acht Kapitel sind den einzelnen Klassen der Psychopharmaka gewidmet. Dabei werden nicht nur die pharmakologischen Eigenschaften der einzelnen Medikamente sehr eingehend beschrieben, sondern auch ausserordentlich klar und vollständig ihre Indikationen und Kontraindikationen, sowie ihre Nebenwirkungen, ihre Anwendung bei speziellen Populationen und ihren Einsatz mit anderen Medikamenten bei therapieresistenten Patienten. Auffallend ist das Fehlen des Stichwortes «Persönlichkeitsstörungen» im Sachregister deshalb, weil zwar keine Medikamente für diese Indikation auf dem Markt sind und ihre klinische Effizienz sehr zweifelhaft ist, epidemiologische Studien aber zeigen, dass sie sehr häufig – zu häufig! – für diese Störungen verschrieben werden.

Jedes Kapitel endet mit Literaturangaben, welche aber nicht im Text selbst erwähnt werden. Auffallend ist, dass sie in manchen Kapiteln etwas beschränkt sind, wobei dann hauptsächlich auf andere Werke der Autoren des jeweiligen Kapitels hingewiesen wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass verschiedene Ausbildungsstätten das Fach Psychopharmakologie-Pharmakotherapie bei der Weiterbildung zum Facharzt in Psychiatrie und Psychotherapie relativ heterogen strukturieren und zu bescheiden gestalten, stellt dieses Buch ein sehr empfehlenswertes Werkzeug für die Ausbildung von Facharztkandidaten dar. Es eignet sich aber auch bestens als Handbuch für die Ausbilder selbst, da es praktisch alle relevanten Themen behandelt.

1. Laux G. Proposal for a model psychopharmacology curriculum for psychiatric residents in Germany. Psychopharmakotherapie. 2014;21(2):64–8.Edifix does not recognize the journal "Psychopharmakotherapie.". If this is a valid journal title, please send this reference to journals@inera.com for addition to our journal database. (Ref. 1 "Laux, 2014")

2. Baumann P, Spies M, Möller HJ, Kasper S, Bitter I, Laux G. A proposal for a psychopharmacology-pharmacotherapy catalogue of learning objectives and a curriculum in Europe. World J Biol Psychiatry. 2017 Feb;18(1):29–38. http://dx.doi.org/10.3109/15622975.2016.1149219 PubMed 1814-1412

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