Editorial

Pluralismus und Dialog

Daniel Hell zum Abschied aus der Redaktion des SANP

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2018.03003
Publication Date: 12.12.2018
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2018;169(08):229

Joachim Küchenhoff

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Vor über 10 Jahren durfte ich von Daniel Hell die ­Aufgabe des Chefredaktors des «Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie», wie es damals noch hiess, übernehmen. Er bereitete sich auf seine Emeritierung und den Abschied von der Psychiatrischen Univer­sitätsklinik Zürich, dem «Burghölzli», vor, und wollte umsichtig die Verantwortung fürs SANP in die Hände eines jüngeren Kollegen geben. Sein wich­tiges und ­unvergessliches Wirken in der PUK Zürich ist im SANP ausführlich gewürdigt worden. Der Open access erlaubt es, sich den Beitrag «Zur Geschichte von Daniel Hell am Burghölzli», verfasst von Bernhard ­Küchenhoff, jederzeit herunterzuladen (https://doi.org/10.4414/sanp.2009.02078). Nun scheidet Daniel Hell zum Jahresende 2018 aus der Redaktion des SANP aus, und es ist mir ein Anliegen, ihm für die lange und engagierte Tätigkeit im SANP auf diesem Wege noch einmal zu danken.

Er übernahm die Chefredaktion 1994 und gehörte ab 2008 dem Editorial Board erst als Redaktor, dann als Senior Editor an. Zum einen ist er bis heute auch als ­Autor mit richtungsweisenden und bedeutenden Beiträgen in dieser Zeitschrift präsent: Die Eingabe seines Namens in die Suchfunktion des «Archivs» produziert 148 Artikel! Zum anderen hat er die Geschicke und die Geschichte des SANP wesentlich geprägt und ­mitbestimmt. Was leicht als Floskel gelesen werden könnte, lässt sich ­präzise fassen. Im Heft 3 des Edito­rials 2008 habe ich beschrieben, was das Kernanliegen des SANP ist: «Das Schweizer Archiv steht für die besten Seiten der Schweizer Psychiatrietradition: Alle Theorien, alle klinischen Konzepte und Forschungs­paradigmen sind will­kommen, wenn sie hohen Qualitätskriterien genügen und sich in der gemeinsamen Sorge um das Wohl des psychisch kranken Menschen treffen. Dieser Pluralismus ist nicht eklektisch oder gar beliebig. Er vermeidet Polarisierungen, aber fördert den kritischen Dialog. Er fordert Kooperation ebenso wie scharfe ­Konturen: Er nutzt die Synergie der unterschiedlichen Zugangswege zum Patienten, weiss aber, dass die ­Unterschiede der Denkweisen nicht verschwimmen dürfen. Er bleibt immer auf dem Weg zur Integration, ohne sie vorschnell als erreicht zu proklamieren.» Ich erlaube mir, diese programmatischen Worte, die ich bald nach der Stabübergabe von Daniel Hell an mich nieder­gelegt habe, noch einmal zu zitieren (https://doi.org/10.4414/sanp.2008.01933). Denn in ihnen werden zugleich die uns beide verbindenden Anliegen zusammengefasst wie auch die Ausrichtung beschrieben, die Daniel Hell für das «Archiv» vorge­geben und um­gesetzt hatte.

Zu dieser gehört also, dass Psychiatrie, Psychotherapie und die Neurowis­senschaften zusammenarbeiten, dass die empirische Forschung in der Breite ihrer ­Methodenvielfalt wesentlich ist, dass die Psychiatrie und Psychotherapie ein klares wissenschaftstheoretisches Fundament ­haben, dass menschliches Erleben und der Bereich des Seelischen unverzichtbar für die «Seelenheilkunde» sind, dass der Dialog mit den Nachbarwissenschaften auch die Philosophie und die Kulturwissenschaften umfasst, um nur einige weitere Dimensionen des Pluralismus auszuformulieren. Ein weiterer Punkt, der noch eigens genannt werden soll, war Daniel Hell ein Anliegen: die Einbettung des SANP in die Fachgesellschaften. Diese langjährige und wechsel­seitig fruchtbare Kooperation konnte für das SANP leider nicht ­gewahrt werden. Es ist zu hoffen, dass sie einmal wieder neu geknüpft werden kann. Nochmals betone ich am Ende dieses Editorials, auch im Namen der ­gesamten Redaktion, unseren hochachtungsvollen Dank an Daniel Hell für alles, was er für das SANP ­getan und bewirkt hat.

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