Book review

Heinrich Burkhardt: Umgang mit Multimorbidität und Multimedikation-Grundlagen und Konsequenzen für die Praxis

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2020.03039
Publication Date: 30.01.2020
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2020;171:w03039

Savaskan Egemen

Stuttgart: Kohlhammer; 2019.

Reihe: Altersmedizin in der Praxis.

256 Seiten, 26 Abb., 11 Tab.

Preis: Euro 39,00.

ISBN: 978-3-17-031659-1

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Abbildung 1
Buchcover

Das Manual ist ein Teil der Reihe «Altersmedizin in der Praxis», die «Besonderheiten und Bedürfnisse älterer Patienten in der Altersmedizin ganzheitlich in den Blick nimmt». Es befasst sich mit zwei sehr wichtigen, aber vernachlässigten Themen der Altersmedizin: der Multimorbidität und als deren Konsequenz mit der Multimedikation.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Probleme anhand von Fallbeispielen ausführlich dargestellt und konkrete individualisierte Vorgehensweisen aufgezeigt werden. Die Muster der Multimorbidität werden bezugnehmend auf das geriatrische Vulnerabilitätskonzept analysiert und eine rationale Handlungsstrategie mit klarer Formulierung der Ziele, Berücksichtigung möglicher Interaktionen und Priorisierung der Problemstellungen vorgeschlagen. Um den Bedürfnissen des Patienten und den Möglichkeiten der lokalen Netzwerke gerecht zu werden, wird ein strukturierter Case-Management-Prozess empfohlen mit den fünf Schritten «Intake», «Assessment», «Ziel- und Hilfeplanung», «Umsetzung und Monitoring» und «Evaluation». Die Stärkung der Position des Allgemeinmediziners oder des Hausarztes steht dabei im Vordergrund. Er wird motiviert, entsprechende Prozesse in einem Netzwerk zu aktivieren. Das Problem der Polypharmazie wird von der Multimorbidität abgeleitet und grundsätzliche Probleme, wie Anstieg der Interaktionen und Nebenwirkungen sowie Beeinträchtigung der Adhärenz, dargestellt. Der gerontopharmakologische Entscheidungsprozess wird auf der Basis von Pharmakokinetik und -dynamik, Organfunktion, Indikation, Prognose und Patienten-Präferenz definiert um eine individuelle Lösung für eine Deeskalationsstrategie zu finden. Ein diskursiver Prozess zur Beherrschung der Polypharmazie wird vorgeschlagen. Besondere Probleme wie z.B. Schmerztherapie, Behandlung am Lebensende und Demenz als Komorbidität werden gesondert diskutiert. Die Perspektive des Patienten und seines Umfelds wird in den Fokus des Entscheidungsprozesses gesetzt. Abschliessend werden auf der Basis der «Multimorbidität»-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin konkrete Schritte aufgezeigt.

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