Book review

Reiner W. Heckl: Das lachende Gehirn: Wie Lachen, Heiterkeit und Humor entstehen

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2020.03128
Publication Date: 30.07.2020
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2020;171:w03128

Kesselring Jürg

Stuttgart: Schattauer; 2019.

Reihe Wissen & Leben

Preis: Euro 19,99.

268 Seiten.

ISBN: 978-3-608-40004-5.

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Abbildung 1
Buchcover

Es ist natürlich nicht «das Gehirn, das lacht», sondern wir Menschen sind es, die dies Gott sei Dank tun können und dazu bestimmt das Gehirn brauchen und nutzen. Das Titelbild ist geradezu ansteckend heiter: eine lachende Frau mit verengten Augenschlitzen, vertieften Naso-labial- und parallelen Wangenfalten, hochgezogenen Mundwinkeln, die mit ihren Händen den Mund und mit den Fingern sogar die Nasenspitze bedeckt.

Im Text geht es dann zunächst um die Evolution des Lachens, das vor allem beim Spielen, zum Teil auch durchs Kitzeln provoziert, beschrieben wird. «Richtiges Lachen» ist sozialer Kitt. Es werden auch eher negative Aspekte ähnlicher Muskelverspannungen im Gesicht unter dem «Angstgrinsen» beschrieben. Man kann auch gerne den Spekulationen des Autors zum Verhältnis von Lächeln und Sprachentwicklung folgen.

In einem zweiten Teil wird «das Lachen beim Menschen» beschrieben, wobei man/frau wohl schon ziemlich schockiert stockt, wenn kurz vor dem Kapitel «Heiterkeit“» eine besonders grausame, nach unserer Einschätzung eben unmenschliche Situation aus dem Vietnamkrieg referiert wird, auch wenn der Autor sich dabei auf Eibl-Eibesfeld beruft (S.60). Dass zufriedene Menschen von genetischen Hintergründen profitieren, mag schon durch gewisse Studien, wie sie hier erwähnt werden, belegt sein, aber ganz wesentlich trägt doch immer der soziale Kontext bei, in dem gelacht werden darf. Wenn etwas «ansteckend“» ist, wie eben auch ein so komplexes Verhaltensgeschehen wie das Lachen es sein kann, müssen heutzutage natürlich immer die «Spiegelneurone» herangezogen werden und bei den «Lustarealen» wird auf die Experimente an Ratten verwiesen, auch wenn diese nicht eigentlich als die grossen Humoristen auf unserer Welt bekannt sind. Ausführlich werden dann Beispiele zum «negativen Lachen» erwähnt: Schadenfreude, Zynismus, Sarkasmus etc. Wobei auch hier gilt, was der Autor schon an seinem Neurologielehrer im Vorwort kritisiert: Dass es eben kein «Humorzentrum» gibt, auch nicht für Schadenfreude o.Ä. (S. 92). Das Kapitel über «das Lachen bei Frauen und Männern» trägt die Unglückszahl 13 und wird nicht allen Leuten Freude machen, die ernsthaft versuchen, einige alte und hoffentlich überholte Klischees zu überwinden.

Der dritte Teil widmet sich «Komik, Witz und Humor», wobei gilt, was E. B. White einmal sagte: «Humor zu analysieren ist wie das Sezieren eines Frosches: es interessiert die wenigsten und der Frosch stirbt darob». Aber Ausführungen zu verschiedenen Humortheorien («Superioritätstheorie», Auflösung von Inkongruenz oder Situationskomik) sind wertvoll. Ein selten behandeltes Thema ist die «Komik in der Musik» (Kapitel 16, S. 163ff).

Dann finden sich im Schlusskapitel einige gute Witze. Diese sowie Zitate und Gedichte sollte man nicht unbedingt auf gewisse Aktivitäten in bestimmten Hirnarealen oder als Hinweise auf die Allgemeinbildung des Autors zurückführen.

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