Book review

Ulrich T. Egle, Burkhard Zentgraf: Psychosomatische Schmerztherapie. Grundlagen, Diagnostik, Therapie und Begutachtung

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2021.03146
Publication Date: 07.02.2021
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2021;172:w03146

Susanne Kunz-Mehlstaub

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Stuttgart: Verlag: W. Kohlhammer; 2020.

3. aktualisierte Auflage

205 Seiten

Preis: 29.00 EUR.

ISBN: 978-3-17-036795-1

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Abbildung 1

Buchcover

Der Kohlhammer Verlag hat ein weiteres kompaktes, praxisorientiertes und gut lesbares Werk zum Thema «psychosomatische Therapie» mit den Autoren Ulrich T. Egle und Burkhard Zentgraf herausgegeben.

Es ist die dritte aktualisierte Auflage, ergänzt mit wissenschaftlichen Studien und klinischen Erkenntnissen zur neurobiologischen Stress- und Schmerzverarbeitung. Das Werk untergliedert sich in sechs Kapitel. Im ersten Kapitel wird in das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell eingeführt. Im zweiten Kapitel werden die Auswirkungen frühkindlicher Belastungsfaktoren auf das neurobiologische System in Form von Disstress und Hyperalgesie ausführlich dargestellt. Im dritten Kapitel «Klinische Grundlagen» folgen eine genaue Anleitung zur biographischen Anamnese, differentialdiagnostische Erwägungen chronischer Schmerzen und die Erörterung des Bindungsverhaltens in der Arzt-Patient-Beziehung. Im vierten Kapitel finden sich ausgewählte Krankheitsbilder zum Thema Schmerz. Darauffolgend werden verschiedene therapeutische Ansätze inklusive Medikation dargelegt, aber auch auf die Gefahr der Substanzabhängigkeit hingewiesen. Im Schlusskapitel wird die Begutachtung chronischer Schmerzzustände diskutiert.

Besonders beeindruckend an diesem Werk ist die Betonung, chronische Schmerzzustände im Erwachsenenalter durch Stress-Erfahrungen in der Kindheit versursacht werden können. Insbesondere im zweiten Kapitel werden frühkindliche Belastungen beschrieben, vor allem emotionale Verwahrlosung, psychische und körperliche Misshandlung. Eine geringere Rolle wird dem sexuellen Missbrauch zugeschrieben. Diese Belastungsfaktoren sind wesentlich für die neurologische Bahnung chronischer Schmerzzustände, die im Erwachsenenalter die Lebensqualität einschränken und Auswirkungen auf die Liebes- und Arbeitsfähigkeit der Patienten haben. Patienten mit chronischen Schmerzzuständen werden in der alltäglichen Praxis oft als therapieresistent erlebt. Gerade im Hinblick darauf gelingt es den Autoren mit ihrer empathischen, offenen Haltung und den interessanten Informationen, zu erneuter Motivation für die Behandlung von Schmerzpatienten anzuregen.

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