In memoriam

Thomas Leyhe

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2021.03195
Publication Date: 21.04.2021
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2021;172:w03195

Daniel Sollberger

Please find the affiliations for this article in the PDF.
fullscreen
Abbildung 1

Thomas Leyhe

Vollkommen unerwartet und plötzlich ist Prof. Dr. med. Thomas Leyhe im Alter von 61 Jahren in der Nacht vom 24. auf den 25. März 2021 verstorben. Der frühe Tod hat ihn inmitten seines engagierten und vielseitigen Schaffens eingeholt und aus seinem aktiven und reichhaltigen Leben gerissen. Wir Kolleginnen und Kollegen, die wir mit ihm in beruflichen Kontexten der klinischen und wissenschaftlichen Arbeit, in den alterspsychiatrischen Fachverbänden oder in Ausbildungszusammenhängen zusammenarbeiten durften, sind tief erschüttert und traurig über diesen Verlust.

Thomas Leyhe wurde in Deutschland geboren, wo er zunächst das Studium der Pharmazie in Würzburg absolvierte, Apotheker wurde und in der Folge am Pharmakologischen Institut in Tübingen wissenschaftlich tätig war. Zwei Jahre später nahm er das Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover auf. 1996 erlangte er die Approbation als Arzt und erwarb im Jahr 2000 den Facharzt für Neurologie und vier Jahre später jenen für Psychiatrie mit den Zusatzbezeichnungen Psychotherapie und Klinische Geriatrie. Die psychiatrisch-psychotherapeutische Ausbildung erhielt er an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (UKPP) in Tübingen, wo er bis 2013 als Oberarzt tätig war. Bereits 2010 hatte er sich für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen habilitiert und war 2012 dort zum ausserplanmässigen Professor ernannt worden.

Seit Sommer 2013 war Thomas Leyhe als ärztlicher Zentrumsleiter des Zentrums für Alterspsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel tätig. Er setzte sich in dieser Funktion nicht nur für die Qualität und klinische Weiterentwicklung der alterspsychiatrischen Versorgung in den UPK Basel ein, sondern trug massgeblich dazu bei, dass die Alterspsychiatrie in einer eng verzahnten Zusammenarbeit mit dem Felix-Platter-Spital eine Eigenständigkeit erhielt. Sein unentwegtes Engagement für die fach- und institutionsübergreifende Versorgung und seine integrativen Fähigkeiten in der Zusammenarbeit haben es schliesslich ermöglicht, die Disziplinen der Alterspsychiatrie und der Geriatrie über die Kliniken der UPK und des Felix-Platter-Spitals hinweg als Altersmedizin zusammenzuführen, eine Kooperation, die er als psychiatrischer Leiter in der Führung zweier Teams erfolgreich gestaltete. Als Stiftungsrat und Vize-Präsident der «Stiftung Marthastift» Basel setzte er sich überdies insgesamt für die Qualität der Betreuungsangebote speziell für Menschen mit einer Demenzerkrankung ein.

Ein besonderes Anliegen war ihm die fachliche Weiterbildung, sei es im curricularen Bereich der Facharztausbildung, sei es im Bereich des Schwerpunkttitels Alterspsychiatrie oder im interdisziplinären Bereich zwischen Somatik und Psychiatrie. So leitete er in Ko-Leitung mit mir das Basler Regionalnetz, eine Plattform der Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie Nordwestschweiz, wo er immer grossen Wert legte auf die Wünsche und Bedürfnisse der Weiterzubildenden und diese in ihrer Motivation für das Fach zu stärken wusste. Zum andern etablierte er einen universitären Weiterbildungsverbund Alterspsychiatrie für den Schwerpunkt der Alterspsychiatrie und -psychotherapie der beiden oben erwähnten Standorte. Auch berufspolitisch engagierte er sich innerhalb der Schweizerischen Gesellschaft für Alterspsychiatrie und -psychotherapie (SGAP), in der er als Vorstandsmitglied mit dem Ressort Weiter- und Fortbildungen betreut war.

Thomas Leyhe war ein vielseitig interessierter, beruflich engagierter und vernetzter Kliniker und Forscher, ein kritischer Zeitgenosse, der argumentativ hartnäckig und durchsetzungsfähig, aber zugleich empathisch und rücksichtsvoll war, ein Kollege, der Kolleginnen und Kollegen verschiedener Denkungs- und Sozialisationsart zusammenzubringen vermochte. Er war ein warmherziger Mensch, der stets ein offenes Ohr für die Anliegen anderer hatte und hilfsbereit zur Seite stand, wo er gefragt oder gebraucht wurde. Er war jemand, der auf andere ausgeglichen, bedacht und ruhig wirkte, gleichzeitig aber wenig von sich zeigte und sich mit seinen Wünschen und Nöten kaum an andere wandte. Viel zu früh ist er von uns gegangen. Er wird uns als Mensch und Kollege in den unterschiedlichen Kontexten fehlen, uns aber gerade darin in bester Erinnerung bleiben.

Verpassen Sie keinen Artikel!

close