Book review

Daniela Kuhn: Mit Dir, Ima

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2022.03345
Publication Date: 01.09.2022
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2022;173:w03345

Daniel Felder

Limmatverlag 2021.

232 Seiten.

Preis: 34,00 CHF.

ISBN-13: 978-3-03926-015-7.

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Eine Jüdin aus Israel, Jehudit, zieht aus Liebe zu einem Schweizer, der Israel liebt, aber nicht Jude ist, in die Schweiz. Das Paar hat ein Kind, Daniela, die Autorin. Jehudit war schon vor ­ihrer Heirat psychiatrisch hospitalisiert worden. Sie erkrankt auch in der Schweiz wieder. Die Diagnosen, die gestellt werden, variieren. Am ehesten dürfte «Schizoaffektive Mischpsychose» zutreffen. Das anzuzeigende Buch schildert uns eine Krankengeschichte, eine Beziehungsgeschichte, eine Mutter-Tochter-Beziehung und das alles über Jahrzehnte. Überdies schildert das Buch eine Identitäts­suche, sowohl der Mutter wie der Tochter. Die Mutter Jehudit stammt von irakischen Juden ab; ihre Familie lebte in Israel unter eher ärmlichen Verhältnissen. Für die begabte Frau war es zeitlebens schwierig zu sagen, wer sie sei, wohin sie gehöre, was sie wolle. Nicht minder einfach, wenn auch ganz anders, war die Suche der Tochter Daniela nach ihrer Identität. Weder war ihr Vater ein typischer Schweizer noch die Mutter eine typische Israelin.

Das Buch ist durch alle die verschiedenen Themen reichhaltig, interessant und informativ. So erfährt man, wie es der 7-jährigen Daniela erging, als die Eltern erstmals Scheidungs­absichten äusserten oder wie es der 21-jährigen Daniela erging, als die Mutter erstmals ­einen Suizidversuch machte. Das, was dieses Buch aber so aussergewöhnlich macht, ist die Haltung der Autorin, mit der sie sich und ihre Eltern beschreibt. Da kommt weder ein Alles-Verstehen noch ein Anklagen, weder ein Beschönigen noch ein Dramatisieren zum Vorschein, sondern das Resultat einer differenzierten Reflexion. Man erfährt vom Reichtum der Mutter-Tochter-Beziehung und vom Preis, den die Tochter für diese Beziehung bezahlt. In diesem Sinne ist das Buch offen, authentisch. Gleichzeitig ist die Autorin auf eine feine Art diskret, sodass man nie der Illusion verfällt, nun alles zu wissen.

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