Book review

Robert Bering/Christine Eichenberg (Hrsg.): Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2022.w10042
Publication Date: 15.09.2022
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2022;173:w10042

Peter Zingg

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Stuttgart: Klett-Cotta; 2020.

384 Seiten.

Preis: 35,00 Euro.

ISBN: 978-3-608-98460-6.

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Der Herausgeberband «Die Psyche in Zeiten der Corona-Krise» enthält siebzehn unterschiedliche, von namhaften Experten verfasste Beiträge. Das thematische Feld ist weit abgesteckt zwischen allgemeineren Ausführungen zur pandemischen Belastung und alternativen Interventionsformen (Licht, Myoreflextherapie).

Die aktuelle Pandemie ist ohne Zweifel eine potenziell (psycho-)traumatische Lage, in besonderer Weise angesichts der Unsichtbarkeit, der Unvorhersehbarkeit und der Allgegenwärtigkeit der potenziell tödlichen Bedrohung. Der Schrecken des Unheimlichen löst verschiedenartige Ängste aus, welche zu ebenso unterschiedlichen, individuellen wie kollektiven Reaktionen (aber auch Maskierungen) führen. Neben der direkten letalen Bedrohung zeigen sich drei weitere Belastungsbereiche: die ökonomische Existenzangst, die Isolation sowie eine zusätzlich komplizierende eigene Befürchtungsdynamik.

Zwei entscheidende Leitlinien der Prävention und der Intervention – Information und Kommunikation – werden in verschiedenen Kapiteln vertieft. Information dient der Förderung des Sicherheits- und Selbstwirksamkeitserlebens sowie der Beruhigung – wenn sie denn umfassend, zeitnah, direkt, wahrheitsgemäss und sachbezogen, aber auch kurz und klar erfolgt. Ein Beitrag zu Psychoedukation enthält konkretere Ausführungen dazu. Für die mediale Berichterstattung findet sich anderenorts ein Leitfaden für eine (hilfreichere) einschlägige Informationsverbreitung. Kommunikation (und soziale Vernetzung) ist ein wichtiger Resilienz- aber auch Interventionsfaktor für das Bewältigen von Belastungen, was allerdings durch Distanzierungsvorgaben konterkariert wird. Isolation schafft – besonders auch bei der vulnerablen Gruppe älterer Menschen – zusätzliche Belastungen oder akzentuiert häusliche Gewalt.

In verschiedenen Beiträgen werden Möglichkeiten der sozialen Anbindung trotz Distanzierung aufgezeigt. Möglichkeiten der Online-Psychotherapie werden ausgeführt, die aber die Vorteile der physischen Präsenz für die therapeutische Beziehung kaum völlig substituieren können. Weitere Problemfelder – wie Einsatzkräfte – werden aufgezeigt, aber jeweils auch mit konkreteren Lösungsmöglichkeiten ergänzt. Letzteres insbesondere in einem Beitrag zur Resilienz mit einem eigentlichen Förderungsprogramm.

Der Band ist verhältnismässig früh, bereits im April 2020 erschienen und war gerade auch deshalb für mich informativ und hilfreich. In einer durchaus wünschenswerten zweiten Auflage könnten die aktuellen Entwicklungen aufgegriffen und Optimierungsmöglichkeiten wahrgenommen werden, wie auch das Glätten von wohl immer unvermeidlichen Redundanzen.

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