Book review

Elisabeth Drimalla: Sexuelle Funktionsstörungen. Ein Leitfaden für die Psychotherapie und ärztliche Praxis

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2022.w10087
Publication Date: 15.06.2022
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2022;173:w10087

Helke Bruchhaus Steinert

Zürich

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Schattauer Verlag, 2021.

224 Seiten.

Preis: 48.95 CHF.

ISBN 978-3-608-40027-4.

Dieses Buch ist für alle lesenswert, die sich mit dem aktuellen Wissensstand in der Behandlung sexueller Funktionsstörungen befassen wollen. Es eignet sich für praktisch Tätige, Hausärzt*innen, Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen. Die Gliederung ist klar und übersichtlich. Relevante Forschungsergebnisse werden verständlich zusammengefasst. Die Zusammenfassungen am Ende jeden Kapitels sind knapp und ermöglichen gute Take-Home-Messages.

Von Anfang an macht die Autorin deutlich, dass sie in der analytischen Therapie verankert ist und diese Therapieform praktiziert. Erfreulicherweise werden aber auch Elemente anderer Therapieansätze beschrieben. Zugrunde legt sie ein bio-psycho-soziales Verständnis sexueller Funktionsstörungen.

Die Autorin fokussiert auf die wesentlichen klinischen Störungsbilder. Dabei stellt sie jede Störung differenziert dar, und ergänzt sie mit psychischen, medizinischen, soziokulturellen und stressbedingten Faktoren. So werden die Störungen in ihrem jeweiligen Kontext erfasst. Zugrunde liegt das DSM5, da dies einen höheren Differenzierungsgrad aufweist als die ICD Klassifikation.

Zwei ansprechende Kapitel sind der diagnostische und der therapeutische Werkzeugkoffer. Die Autorin lässt den Lesenden «über ihre Schultern blicken». So beschreibt sie lebendig und mit Fallbeispielen illustriert, welche Hypothesen sie z. B. in der Anfangsszene oder bei der Übertragung / Gegenübertragung bildet. Besonders für tiefenpsychologisch Tätige ist dieser «Blick über die Schultern» sicher lehrreich.

Auf die Bedeutung allgemeingültiger therapeutischer Wirkprinzipien wird eingegangen. Der Vorzug eines paartherapeutischen Vorgehens wird begründet. Relevante sexualtherapeutische Ansätze werden vorgestellt und auf deren Gemeinsamkeiten anstelle von deren Unterschieden fokussiert.

Im Anhang sowie zum Download finden sich zahlreiche hilfreiche Unterlagen für die praktische Arbeit. Die Autorin betont die Bedeutung eines Therapievertrages, den sie mit ihren Patientinnen und Patienten abschliesst. Schade nur, dass sie gerade den nicht angefügt hat.

Mit rund 50 CHF ist das Buch auf jeden Fall seinen Preis wert.

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