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Book review

Andreas Steck, Barbara Steck: Creativity and Art: Neuroscientific and Psychoanalytic Perspectives

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.w10054
Publication Date: 13.04.2022
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. ;:w10054

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Lausanne: EPFL Press English Imprint; 2021.

290 S.

Preis: 55,00 CHF.

ISBN-13: 978-2-8891-5423-4.

Die Psychiaterin und Psychoanalytikerin Barbara Steck und ihr Ehemann, der Neurologe und Neurowissenschaftler Andreas Steck, legen nach Brain and Mind (2016) ihr zweites gemeinsames Buch vor, das sich in 19 Kapiteln dem Verhältnis von Kreativität und Kunst widmet. Man wünscht dem Buch viel neugierige und kritische Rezeption an Kunsthochschulen wie auch an philosophischen und medizinischen Fakultäten. Die Herausforderungen, denen sich die Autoren gestellt haben, sind gross, die Kapitel kurz – aber nie zu kurz, um nicht Denkanstösse zu vermitteln. Mit spielerischer Radikalität suchen sie nach den physikalischen, evolutionären, anthropogenetischen, ontogenetisch-biografischen und kulturellen Brücken von Kunst und Kreativität. Dabei schöpfen sie aus ihrem eigenen kunstreichen und -sinnigen Leben ebenso wie aus der neuen und älteren Forschungsliteratur. Auch wenn man vielleicht mutmasst, dass psychoanalytische Zugänge zu den zahlreich gestellten Fragen mit einem neurowissenschaftlichen Zugang nur schwer vereinbar sind, halten sich Andreas und Barbara Steck voller Respekt ihre Türen des Zusammendenkens offen, auch wenn sie in unterschiedlichen Denk- und Methodenschulen akademisch beheimatet sind. Für sie gehören zu den wissenschaftlichen Grundlagen von Kreativität und Kunst die neuronalen Mechanismen ebenso wie entwicklungspsychologische und psychoanalytische Perspektiven. Sie lassen dafür in vielen Kapiteln Künstlerinnen und Künstler zu Wort kommen, die ihre biografischen Erfahrungen formulieren. Die Natur würdigen sie als eine wichtige Quelle für ästhetische Aneignung und Bewusstseinsbildung. Dabei anerkennen sie, dass die ästhetischen Erfahrungen des Menschen von seinem physischen, sozialen und kulturellen Umfeld geprägt werden. Doch auch sie müssen am Ende konstatieren, dass eine umfassende neurowissenschaftliche Theorie ästhetischer Erfahrungen und künstlerischen Schaffens noch nicht in greifbarer Nähe liegt, vielleicht unmöglich ist, und legitimieren so epistemisch die psychoanalytische Perspektive, wie es auch Freud selbst tat.

Hennric Jokeit, Zürich

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