Book review

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DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2018.00523
Publication Date: 28.03.2018
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2018;169(03):95

Ronnie Gundelfinger

Andrea Gallasch-Stebler

Angst im Dauermodus. Vom Mut eines ängstlichen Kindes

Lengerich: Pabst Science Publishers, 2016.

188 Seiten.

Preis: € 10,00.

ISBN: 978-3-95853-229-8.

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«5 Monate lang hatte der 11-jährige Jason die Schule nicht mehr besucht, als er zu mir in die Praxis kam. Ein ganzes Jahr konnte er nicht einmal das Wort Schule mehr aussprechen, ohne blass zu werden. Zwei Jahre dauerte es, bis er wieder seinen Fuss in eine Schule setzen konnte. Und mehr als drei Jahre brauchte er, bis er seine Angst vor Schulen, Leistungen, Menschen und allen möglichen anderen Situationen weitgehend überwunden hatte».

So eröffnet die in Basel tätige Psychotherapeutin Andrea Gallasch-Stebler ihre Darstellung einer Kindertherapie.

Ausführliche Therapieberichte sind in einer Zeit der Evidenz-basierten, manualisierten Behandlungen aus der Mode gekommen. Hier setzt die Autorin ein lesenswertes Gegen­gewicht. In ihrem ersten Buch «Nächste Station Erde» hatte sie über eine Traumatherapie berichtet. Jetzt nimmt sie uns mit auf den vierjährigen Weg, auf dem sie Jason und seine Familie begleitet hat.

Andrea Gallasch-Stebler verfügt über eine jahrzehntelange therapeutische Erfahrung. Nach einer psychoanalytischen Ausbildung hat sie sich im Bereich der systemischen Familientherapie, der klinischen Hypnose, der Traumatherapie und speziell in EMDR weitergebildet. In dieser komplexen Fallgeschichte zeigt sie, wie sie die verschiedenen Ansätze gezielt einsetzt, um Jason und seine Familie zu unterstützen.

So ist ein Buch entstanden, das für Fachpersonen, betroffene Familien, aber auch für ein brei­tes Publikum interessant und bereichernd ist.

Es ist keine geradlinige Erfolgsgeschichte. Wir nehmen Anteil an kleinen Fortschritten, ­Krisen, scheinbaren Durchbrüchen und erneuten Enttäuschungen. Wie immer in einer Kindertherapie zeigt sich, wie wichtig die Beteiligung der Eltern, aber auch anderer Personen im Umfeld, v.a. der Schule, ist. Der Leser sieht, dass eine Schulphobie Ausdruck einer komplexen, langjährigen Entwicklung sein kann. Entsprechend vielschichtig muss auch die Behandlung angelegt sein.

In kurzen Kapiteln, oft begleitet von Jasons Zeichnungen, erzählt die Therapeutin fast wie in einem Tagebuch, den Verlauf der Behandlung. Dabei wird immer ihre persönliche Betroffenheit und ihre professionelle Haltung deutlich. Andrea Gallasch-Stebler schreibt in einer klaren, gut verständlichen Sprache. Die Fallgeschichte entwickelt einen romanartigen Sog. Ich wollte wissen, wie es Jason ergeht, wie er und seine Eltern Rückschläge überwinden. Ich fühlte mit, wenn er Krisen durchlebte oder wenn er in der Schule ungenügend unterstützt wurde.

Gleichzeitig folgte ich mit professionellem ­Interesse den Überlegungen der Therapeutin, warum sie sich in gewissen Situationen für spezifische Interventionen entschied, wie sie ihre Entscheidungen Jason und seinen Eltern erklärte und sich immer wieder bemühte, die Familie zum Weitermachen zu bewegen. Auch ihre Selbstzweifel in schwierigen Momenten wurden spürbar, aber noch stärker ihr grundsätzlicher Optimismus, ihr Glaube an die ­Entwicklungsmöglichkeiten von Jason, ihre Überzeugung, dass er seinen Weg machen werde. So gelingt es ihr, bei Jason und seinen Eltern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wieder zu wecken.

Andrea Gallasch-Stebler ergänzt ihren Fallbericht mit einem Kapitel über den Umgang mit Angststörungen und einem Anhang zu den verwendeten Therapieverfahren, alles auch für Laien gut verständlich.

Selbst nach dem Abschluss der Therapie wird Jason gegen Ängste ankämpfen müssen. Er konnte aber die Schule erfolgreich abschliessen und scheint bereit, sich neuen Anforderungen zu stellen. Er schreibt selbst:

«Vielleicht erkennt ihr euch in dem Buch wieder, und vielleicht helfen euch die Sachen, die ich mit meiner Therapeutin gemacht habe. Ich wollte jedenfalls, dass sie dieses Buch schreibt und ich hoffe, dass es vielen Menschen helfen wird».

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