Editorial

«Ehre das Alter»

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03045
Publication Date: 17.06.2019
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2019;170:w03045

Maderthaner Lydia

«Ehre das Alter» sagte schon Adolf Freiherr von Knigge in seinem berühmtesten Werk «Über den Umgang mit Menschen». Dieses Zitat könnte ein Wegweiser dieser Ausgabe sein, denn das Heft gibt einen Rundumblick auf das Thema Alter. Beginnend mit dem aktuellen Wissensstand in der Suchtmedizin im Alter und den verschiedensten Gesichtern der Demenz, darunter zwei Case reports und ein Originalartikel, endet das Heft mit einem anderen Aspekt des Alters, nämlich der „Liebe zur Weisheit“.

Den fulminanten Auftakt macht der letzte Artikel aus der Serie Alterspsychiatrie des Gerontopsychiaters PD Dr. Ibach aus Littenheid. Er schreibt über die Besonderheiten der Sucht bei älteren Menschen. Aufgrund der dünnen Evidenzlage in der Gruppe von Patienten fortgeschrittenen Alters propagiert er eine Übernahme der Interventionen aus der gängigen Erwachsenen-Suchtforschung und plädiert dafür, Berührungsängste mit den Süchten älterer Patienten zu überwinden.

Ein anschauliches und praxisrelevantes Beispiel der Sucht im Alter und dessen Folgen liefert der Case report mit Quiz. Hier werden die neurologischen und psychiatrischen Folgen der Alkoholabhängigkeit beleuchtet.

In dem Originalartikel von Mora et al. erfahren wir die Ergebnisse einer Erhebung der Patientenzufriedenheit in einem ambulanten psychiatrischen Zentrum des Universitätsspitals Genf.

Was Takotsubo mit SSRIs und neurokognitiven Störungen dementieller Art zu tun hat, lernen wir aus dem Case report von Johnson und Byrne von der Universität Queensland.

Um die Vergesslichkeit dreht sich auch der Film «La tête en l’air», in dem das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz einmal anders, erfrischend liebenswert, und dennoch in all ihren tragischen Konsequenzen beschrieben wird.

Wer im beruflichen Alltag mit Sucht zu tun hat, für den ist auch HIV ein alltäglicher Begriff. Der Originalartikel aus Togo von Agba et al. beschäftigt sich mit der fatalen Diagnose der neuromeningealen Kryptokokkose, die besonders im Endstadium von AIDS auftritt.

Schlussendlich kommen wir mit dem Interview von Prof. Mittelstrass bei der Philosophie, wortwörtlich bei der «Liebe zur Weisheit», an.

Es geht um die Frage, ob Psychiatrie nun Geistes- oder Naturwissenschaft ist, um die Bedeutung des «Heilens» sowie um Begriffe wie »Gesundheit» und «Krankheit». Mit dem zunehmenden Verlust der Philosophie in der Wissenschaft gehen uns wichtige Orientierungspunkte verloren, so der Autor. Er kritisiert die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise in der Psychiatrie und spricht gar von einem «wissenschaftlichen Verarmungsprozess».

Wer sich nun noch weiter in die historischen philosophisch-psychopathologischen Denkrichtungen des 20. Jahrhunderts vertiefen möchte, wird in der Buchbesprechung fündig. Hans Kunz, seinerzeit Ordinarius für philosophische Anthropologie und theoretische Psychologie in Basel, war ein wichtiger Vertreter der philosophischen Weltanschauung in der Psychologie

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