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Book review

B. Wimmer-Puchinger, K. Gutiérrez-Lobos, A. Riecher-Rössler (Hrsg.): Irrsinnig weiblich - Psychische Krisen im Frauenleben

Eva Krebs-Roubicek

DOI: 10.4414/sanp.2017.00445
Publication Date: 29.03.2017
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(03):85-86

B. Wimmer-Puchinger, K. Gutiérrez-Lobos, A. Riecher-Rössler (Hrsg.)

Irrsinnig weiblich – Psychische Krisen im Frauenleben

Hilfestellung für die Praxis

Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag 2016.

245 Seiten, Kartonierter Einband.

Preis: Sfr 41,50.

ISBN 978-3-662-48435-7.

Eine gelungene Mischung verschiedener Themen, die sich mit der psychischen Vulnera­bilität der Frauen beschäftigen. Die Beiträge, die sich auf internationale Literaturquellen stützen, oder aber eigene Forschungsergebnisse und Projekte beschreiben, zeigen deutlich auf, dass Frauen in Krisensituationen ­anders reagieren als Männer.

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Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist deutlich durchstrukturiert, was das Lesen durch die Fragmentierung in kurze Absätze eher mühsam, etwas schwerfällig macht, da die Grundgedanken immer wieder unterbrochen werden. Hingegen sehr positiv ist das Fazit für die Praxis am Ende jeden ­Kapitels, was bereits im Untertitel angedeutet wird: «Hilfestellung für die Praxis».

Die Themen reichen von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen über weibliches Körperbild, gesundheitliche Folgen von Gewalt, Sexualiät und Verunsicherung, psychische Krisenmomente bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Elternangst sowie Reproduk­tionsmedizin bis hin zu Migration und deren ­Folgen für die Frauen. Bereits am Anfang des Buches wird erwähnt, dass Männer bereits im Jugend- und jungem Erwachsenenalter einen höheren Selbstwert aufweisen als Frauen. ­Andererseits wird betont, dass Frauen sich mit Kindern kompetenter in der Kinder­erziehung erleben als Männer. Angstörungen und depressive Störungen treten bei Frauen zweimal häufiger auf als bei Männern. In ­einigen Ländern, in denen während der letzten Jahre ein Rückgang der traditionellen Geschlechterrollen beobachtet wurde (gemessen an ­besseren Bildungschancen für Frauen, mehr Berufstätigkeit von Frauen, Möglich­keiten zur Geburtenkontrolle und höherem Hei­ratsalter der Frauen) war auch der Geschlechterunterschied in den jüngeren Jahrgängen geringer. Zum Thema Gewalt gegen Frauen findet sich eine Studienbeschreibung mit nach wie vor erschreckenden Zahlen. ­Allerdings wird auch erwähnt, dass es sehr wenig An­gaben über ­häusliche Gewalt gegen Männer gibt. Die Scham, darüber zu reden, ist bei männlichen Opfern nochmals grösser als bei Frauen. Mehr noch als die körperliche ist es oft die psychische Gewalt, die Betroffene nachhaltig schädigt. Dabei wird diese meist ignoriert, bagatellisiert oder einfach nicht als solche ­erkannt.

Das letzte Kapitel stellt den Grundgedanken in den Vordergrund: «Doing Gender in der Psychotherapie und Beratung». Geltend gemacht wird eine Zunahme des interaktio­nellen Bezugs in der Gender-Sensibilität bei Therapeutinnen und Therapeuten. Es wird empfohlen, «Doing Gender» als Grundhaltung während der Prozessanalyse beim psychotherapeutischen und ­beraterischen Tun in der eigenen Reflektion, Intervision, und ­Supervision zu installieren.

Das Buch ist sehr zu empfehlen, besonders all jenen, die sich mit Paardynamik beschäf­tigen.

Eva Krebs-Roubicek, Zürich

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