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Book review

Daniel Bindernagel (Hrsg): Die Eigensprache der Kinder

Susanne Kunz-Mehlstaub

DOI: 10.4414/sanp.2017.00474
Publication Date: 17.05.2017
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(04):124

Daniel Bindernagel (Hrsg):

Die Eigensprache der Kinder

Idiolektische Gesprächsführung 
mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Heidelberg: Carl-Auer Verlag 2016.
279 Seiten, Kt, 2016.

ISBN: 978-3-8497-0054-6.

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Das vorliegende Werk über Idiolektische ­Gesprächsführung lädt schulenübergreifend und interdisziplinär Fachleute ein, sich mit dieser Methode auseinandersetzen. Anschaulich wird die Theorie zur Entwicklung der ­Eigensprache altersgruppenspezifisch in verschiedenen klinischen Vignetten dargestellt, welche die typischen Problemstellungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie widerspiegeln. Das Lesen ruft eigene Fälle in Erinnerung und animiert zum Reflektieren über neue und hilfreiche Strategien der Gesprächsführung.

Idiolektik bezeichnet die Eigensprache eines Indivi­duums. Die Intention der idiolektischen Gesprächsführung ­beruht darauf, dem Patienten in seiner Ei­gensprache zu begegnen. Die verschiedenen Kanäle der Kommuni­kation, wie z.B. die Körpersprache, werden miteinbezogen. Die Kunst des Therapeuten besteht darin, die Schlüsselbegriffe in den Geschichten zu identifizieren und diese wieder ins Gespräch zu bringen. Dazu bedarf es des guten Zuhörens. Der Patient fühlt sich durch die Schlüsselbegriffe erkannt und verstanden. Die Eigensprache gibt dem Patienten Mut und Bestätigung sich zu öffnen. Er wird angeregt, nach Lösungen zu ­suchen.

In acht Kapiteln spannt sich der Bogen der Entwicklung der Eigensprache vom Säuglings­alter bis zu den Jugendlichen. Bei den Kindern werden Bilder besonders in die idiolektische Gesprächssführung einbezogen.

Der Autor und und seine Koautoren beschreiben ihre anregenden Erfahrungen mit weiteren Per­sonengruppen wie Eltern und Fachpersonal. In allen Kapiteln finden sich reichlich anschauliche Fallbeispiele, mit denen die Umsetzung der Idiolektik nachvollzogen werden kann. Im letzten Kapitel wird der Nutzen der Idiolektik herausgearbeitet. Es ist ein Werk, das Verständnis und freundliche ­Zuwendung im Kontakt mit Kindern und ­Erwachsenen zum dezidierten Ziel erklärt. Es bringt uns die verschiedenen Felder der Idiolektik näher und hat meines ­Erachtens für Anfänger wie für Fortgeschrittene viel zu bieten.

Susanne Kunz Mehlstaub, St. Gallen

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