Editorial

In dieser Nummer des SANP

Alte und neue Perspektiven zur psychiatrischen Therapie

Karl Studer

DOI: 10.4414/sanp.2017.00491
Publication Date: 29.03.2017
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(03):57

Aus dem Fundus des SANP taucht eine Arbeit von vor über 100 Jahren zum Thema somatogen oder psychogen von Prof. Dubois aus Bern auf, der damals zum Schluss kam, dass bei ­jeder Krankheit, auch bei soma­tischen Erkrankungen, eine möglichst frühe psychotherapeutische Auseinandersetzung mit dem Patienten notwendig sei [1]. Er wurde so zu einem ­frühen Psychosomatiker bei einem Thema, das seine Aktua­lität bis heute nicht eingebüsst hat.

Eine Übersichtsarbeit über die Behandlung von psychischen Leiden mit psychedelischen Substanzen [2] greift ebenfalls ein altes Thema auf: die Behandlung von ­therapieresistenten psychischen Krankheiten, besonders Angstzuständen, Suchterkrankungen und Depressionen. Wer soll hier Erfahrungen sammeln, welche Spezialisten wollen die Erfahrungen mit diesen Drogen ausweiten? Ist es wirklich so gefährlich?

Spannend ist die Arbeit über eine Feedback-informierte Therapie aus der PK Sonnhalde Riehen [3]. Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, Psychotherapien durchzuführen, die als wirksam gelten und die mit den Patienten mit einer Zielsetzung und einer entsprechenden laufenden Evaluation mit zwei Instrumenten vereinbart werden? Wirkt es sich nicht günstig auf die Beziehungs­arbeit aus, wenn dies mit den Patienten ­immer wieder zum Thema gemacht wird? Weitere ­Arbeiten zu diesem Thema sind sehr wünschenswert.

Wir stehen mitten in der Diskussion über Sinn und Zweck ­sowie über Alternativen zu den psychiatrischen Institutionen. Der grösste Teil der Mitarbeitenden sind allerdings nicht Ärzte und Therapeuten, sondern der Pflegedienst, der in der täglichen Aus­ein­ander­setzung mit den Patienten steht. Wohin geht nun die Entwicklung dieses Berufsstandes, wenn die Erfahrungen aus der täglichen Arbeit einfliessen? Zeichnet sich hier nicht auch ein subtiler Wandel im Selbst­ver­ständnis und in der fachlichen und therapeutischen Kompetenz dieser MitarbeiterInnen ab? Findet hier die notwendige Diskussion dazu statt? Das Gespräch mit der Pflegedirektorin der UPK Basel, Regula Lüthi, soll dazu anregen [4].

1 Conus P. Somatogène ou psychogène? Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(3):58–60.

2 Ljuslin M, Schaller A. Réémergence de la médecine psychédélique. Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(3):61–72.

3 Rogausch A, Gutscher G, Gschwind A. Feedback-informierte Therapie. Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(3):73–7.

4 Lüthi R, Studer K. Was tut die Pflege in der Psychiatrie? Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2017;168(3):81–3.

Karl Studer

Korrespondenz:
Dr. Karl Studer
Praxis im Klosterhof
Klosterhofstrasse 1
CH-8280 Kreuzlingen
karl.studer[at]bluemail.ch