Book review

B. Boothe, E. Frick: Spiritual Care – Über das Leben und Sterben

Daniel Hell

DOI : https://doi.org/10.4414/sanp.2018.00566
Publication Date : 08.08.2018
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2018;169(05):162

Brigitte Boothe, Eckhard Frick:

Spiritual Care

Über das Leben und Sterben

Zürich: Orell Füssli; 2017.

192 Seiten.

Preis: Fr. 26,90.

ISBN: 978-3-280-05623-3.

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Spiritual Care gehört heute zu den universi­tären Angeboten, auch in Zürich. Vielen ist aber nicht so genau bekannt, was darunter zu verstehen ist. Dem suchen zwei wissenschaftlich anerkannte AutorInnen mit Erfolg abzuhelfen, nämlich die Psychoanalytikerin Prof. Brigitte Boothe, die bis 2013 an der ­Universität Zürich Psychologie lehrte, und der Psychosomatiker Prof. Eckhard Frick, der seit 2015 die Forschungsstelle für Spiritual Care an der Technischen Universität München leitet.

Ihr Buch zeichnet sich ebenso durch sprach­liche Schönheit und Verständlichkeit wie durch fachliche Kompetenz aus. Statt aka­demischer Definitionen stehen bildhafte ­Umschreibungen und eindrückliche Beispiele im Vordergrund. So heisst es z.B.: «In Spiritual Care geht es darum, Auge und Ohr für die ­Ausdrucksformen des seelischen Lebens zu öffnen und ihnen Gestaltungsraum in der ­Beziehung zu geben. (...) Wie Pflege und Medizin sich um den kranken Körper kümmern, so müssen sie auch seel-sorgend sein.»

Spiritual Care wird in diesem Buch weitgehend mit beseelter Sorge um den lebenden und sterbenden Menschen gleichgesetzt. In Abgrenzung von Religiosität wird Spiritualität als Suchbewegung nach Sinn und als Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen verstanden. So kann auch Thomas Metzinger als Neurophilosoph ausführlich zur Sprache kommen.

Hilfreich scheint mir der wiederholt zitierte Gedanke des Philosophen Robert Spaemann zu sein, dass «durch den Tod und nur durch den Tod ein anderer Horizont jenseits des ­Vitalen» auftaucht. «Nur wenn wir als sterb­liche Wesen die Endlichkeit des Endlichen ­akzeptieren, können wir (gleichsam in einem Blick von Nirgendwo oder im Futurum exactum, D.H.) die einzelnen Bedeutsamkeiten unseres Lebens loslassen und eine Perspektive einnehmen, die sich auf das Leben als Ganzes richtet.» Zu Recht bezeichnen die ­AutorInnen des auch für medizinische Laien empfehlenswerten Buches Spiritual Care als neuen Begriff für die Fähigkeit der Helfenden, mit Grenzen umzugehen, wenn das medizinische Tun ein Ende hat und die eigene Ohnmacht offenbar wird.

Daniel Hell, Meilen

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