Book review

Polyneuropathie - so überwinden Sie quälende Nervenschmerzen von Udo Zifko - erschienen im Springer Verlag 2017

DOI: https://doi.org/10.4414/sanp.2018.00577
Publication Date: 19.09.2018
Swiss Arch Neurol Psychiatr Psychother. 2018;169(06):

Stefan Gerhard Hägele-Link, St. Gallen

Udo Zifko

Polyneuropathie – so überwinden Sie quälende Nervenschmerzen

Berlin: Springer Verlag; 2017.

XI, 162 Seiten, Illustrationen.

Preis: SFr 21,00.

ISBN: 978-3-662-53870-8.

Auch als eBook erhältlich.

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Jeder Neurologe, der regelmässig Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen sieht, weiss wie quälend die Beschwerden und insbesondere Schmerzen im Rahmen eines Polyneuropathie-Syndroms sein können. Und wir wissen alle, dass nach Diabetes mellitus und alkoholbedingter Polyneuropathie bereits an dritter Stelle die Polyneuropathie mit ungeklärter Ätiologie steht. Entsprechend müssen wir häufig unseren Patienten mitteilen, dass wir auch nach sorgfältigster Ursachensuche die Polyneuropathie nicht heilen und somit oft auch das Fortschreiten nicht verhindern können.

Dr. Udo Zifko hat ein Buch geschrieben, in welchem er sich an Patienten direkt wendet und diesen Mut machen möchte, sich mit ­ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen. Das Buch soll «Patienten motivieren, ihr Leiden keinesfalls als gegeben hinzunehmen, sondern stärker und mutiger selbst aktiv zu ­werden». Dies gelingt ihm in diesem neu vorliegenden Patientenratgeber gut.

Das Werk ist klar strukturiert und einzelne Gebiete sind über das Inhaltsverzeichnis ­einfach aufzufinden und nachzuschlagen. In einer – auch dem medizinisch nicht Vorgebildeten – leicht verständlichen Sprache wird vermittelt, welche anatomischen und pathophysiologischen Ursachen einer Polyneuropathie zugrunde liegen können. Die Abbildungen sind verständlich und farbig gestaltet und fügen sich in gelungener Weise und einprägsam in den gesamten Text ein.

Im zweiten Abschnitt des Werkes wendet sich der Autor den Therapien zu und gibt praktische Empfehlungen auch für die Langzeitbetreuung. Aus meiner Sicht ist dieser Abschnitt insofern besonders wertvoll, da dem Patienten vermittelt wird, was er selbst zur Linderung der Beschwerden beitragen kann und welche therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Dies wirkt der Gefahr eines therapeutischen Nihilismus entgegen. Besonders wertvoll finde ich den Hinweis auf die ­Indikation einer neurologischen Rehabilitation trotz Vorliegen einer möglicherweise «nur» sensiblen Polyneuropathie, was sich auch mit unserer Alltagserfahrung deckt. Auch wird die Bedeutung medizinischer physikalischer Verfahren sowie die positive Wirkung von regelmässiger sportlicher Betätigung betont.

In diesem Kapitel wird allerdings deutlich, dass das Werk von einem in Österreich praktizierenden Neurologen geschrieben wurde und entsprechend dortige Neurorehabilitationsverfahren beschrieben werden. Die Auf­listung der neurologischen Rehabilitationskliniken in der Schweiz, wie sie zahlreich und auf höchstem Niveau vorhanden sind, ist leider nicht vollständig.

In der Summe halte ich dieses Buch für empfehlenswert und für sinnvoll, es an unsere ­Patienten weiterzuempfehlen. Bei der Lektüre wird aus der Haltung des Autors deutlich, dass ihm die Beschwerden des Patienten, aber auch dessen Selbstbestimmung am Herzen liegen.